Intuitive Selbstheilung

Transformation und Urkraft

© Dr. Simone Meller, Essay 2012

 

 

Es ist in Ordnung, krank zu sein. Krankheit stellt einen legitimen Ausdruck des menschlichen Lebens dar.  Menschen dürfen krank sein – und Menschen dürfen heilen.  Ich rate niemanden, gegen ärztlichen Rat zu handeln, sondern beschreibe, wie es mir und anderen ergangen ist, die nicht mehr anders konnten, als gegen ärztlichen Rat zu handeln.

Ein erster Ansatzpunkt bei der intuitiven Selbstheilung ist die Verantwortung. Wer in die Kraft geht, sich selbst zu heilen, gibt seine Verantwortung immer weniger an andere ab. Sich selbst zu heilen ist das zwischenmenschliche Zurückerobern von Eigenmacht. Dies geschieht in demütig nach Innen lauschender Rückverbindung mit unserer Urkraft, dem Urgrund allen Sein, aus dem alles kommt, was jemals war und jemals sein wird. Von dort ergeht ein mächtiger Zustrom an dich, der nie versiegt, sondern allenfalls durch ein enges Herz blockiert werden kann.

 

Im Folgenden liste ich Anzeichen für das Wirken intuitiver Selbstheilung auf. Vielleicht wirst du entdecken, dass du bereits teilweise ähnliche Erfahrungen gemacht hast, und dich trauen, auch die nächsten Schritte deines Heilungsweges zu gehen.

 

 

Wie sich Urkraft im Alltag zeigen kann:

1. Dein Körper rebelliert gegen die Behandlung

Jahrzehntelang konnte man dir ohne Probleme Blut abnehmen, plötzlich kommt nichts mehr oder die Vene kollabiert und es bilden sich fiese Hämatome. Du verträgst die Spritzen nicht mehr. Oder die Therapie wirkt nicht mehr. Dein Körper zeigt Schmerzen, Entzündungen und degenerative Prozesse, obwohl du perfekt medizinisch und/oder komplementär heilkundlich versorgt bist. Zum Beispiel bemerkst du plötzlich keinen Unterschied mehr, ob du ein bisher helfendes Medikament einnimmst oder nicht. Deine Symptome lassen sich nicht mehr unterdrücken, sondern drängen ungebremst ans Licht. Du stehst kurz vor der Verzweiflung, vor der Explosion deines Leidensdrucks, und schaust in hilflose Gesichter deiner Behandler. Du wirst zurückgeworfen auf dich selbst und die Weisheit in dir.

 

2. Du beobachtest untypische Verläufe

Deine Krankheit kehrt in kurzen Abständen immer wieder, obwohl ihr akutes Krankheitsbild als ausgeheilt galt. Deine chronische Erkrankung verschwindet vorübergehend oder schwächt sich plötzlich ab. Diabetiker brauchen auf einmal nur noch die Hälfte ihres Insulins, Allergiker durchqueren ein Pollenfeld ohne Niesreiz und Herzkranke erleben Aufregung ohne Rhythmusstörung. Beobachte, wann das geschieht. Was war in diesen Momenten anders als zu anderen Zeiten deines Alltags? Gräme dich nicht, wenn das Krankheitsbild mit voller Wucht zurückkehrt, sondern halte dich an dem Zeichen fest, dass es einen Moment gab, in dem es anders war und das hatte einen Grund!

 

3. Du entwickelst Widerwillen

Du vergisst deine Tabletten oder du nimmst sie zwar, kannst sie aber kaum noch schlucken. Andere verlieren ihre Pillen, Zahnspangen, Spritzen und sonstigen medizinische Hilfsmittel. Oder sie verlegen sie “vorübergehend”, so dass sie notgedrungen und zum Erstaunen aller die Erfahrung machen, auch mal ohne auszukommen. Du zögerst, einen neuen Termin für die Blutuntersuchung, die Akupunktur oder die Rezidivkontrolle zu machen. Dir fällt das Glas mit den homöopathischen Kügelchen herunter oder dir wird übel, wenn du an deine nächste Portion Schüssler Salze denkst. Zweifle nicht an deiner Wahrnehmung, sondern folge achtsam (nicht blind!) deinen Eingebungen.

 

4. Du wirst ungehorsam

Obwohl du die Argumente deines Arztes verstehst oder zig Bücher über deine Krankheit gelesen hast, beginnst du abweichend von medizinischem Rat und anderen Empfehlungen zu handeln. Du tust das nicht aus einer Aufmüpfigkeit heraus, sondern instinktiv. Du kannst plötzlich nicht mehr anders, als diesem neu in dir entstehenden Weg zu folgen. Als mündiger Mensch hast du das Recht gegen ärztlichen Rat zu handeln – und Verständnis für die Pflicht des Arztes, dich darüber aufzuklären, dass du dabei bist aus medizinischer Sicht einen unvernünftigen Fehler zu machen. Ich erinnere Gespräche mit einem Internisten, den ich sehr schätzte und mochte: Er wiederholte mir eindringlich seine Fachmeinung, um sicher zu gehen, ob ich ihn auch wirklich verstanden hätte. Ich dankte ihm für seine pflichtbewusste Mühe, es noch mal erklärt zu haben, und sagte, dass es sich trotzdem nicht mehr richtig anfühlen würde, die Tabletten zu nehmen. Und ich wüsste, dass es seine ärztliche Pflicht sei, mich vom Gegenteil zu überzeugen.

 

5. Zufälle verhindern die Behandlung

Der Operateur ist krank, die Zahnärztin zieht einen akuten Notfall vor, ein technisches Gerät ist kaputt, du bleibst im Schneesturm stecken und so weiter. In solchen Fällen gewinnst du Zeit! Manchmal geht es um einen Aufschub: noch nicht behandeln oder jedenfalls nicht so wie geplant oder nicht an dem heutigen Tag. Manchmal ist es die Chance, um endlich allen Mut und alle Kraft zusammenzukratzen und Abschied zu nehmen vom bisher eingeschlagenen Weg und mit vor Aufregung pochendem Herzen einen weiteren intuitiven Schritt zu tun.

 

6. Du wirst aufgegeben

Deinem von dir im Laufe der Zeit zusammen gestellten “Behandlungsteam” fällt nichts mehr ein. Du hörst Umschreibungen von “Wir können für Sie nichts mehr tun”. Man sagt dir im Falle einer Autoimmunerkrankung, womit du leben und worauf du dich für den Rest deines Lebens einzustellen hast. Oder bei dir wurde eine Schwersterkrankung wie zum Beispiel Krebs diagnostiziert. Du hörst Begriffe wie “unheilbar” oder “austherapiert”. Du fühlst dich zwar im Stich gelassen, entmutigt und ängstlich - doch in der Tiefe deiner Seele spürst du: Das kann doch nicht schon alles gewesen sein!

 

7. Du folgst deinen Eingebungen

Eine Klientin erwacht aus dem Mittagsschlaf und weiß plötzlich, dass sie ihre Asthma-Medikamente wegwerfen soll. Sie steht auf und befördert schnurrstracks alle Medikamente in den Müll. Innerlich war sie schon länger an den dem Asthma zugrunde liegenden Themen dran. Doch dieser Moment ist wie eine äußerlich sichtbare Markierung, dass sie begonnen hat, ihr Asthma zu heilen. Nein, es ist nicht von einem Tag auf den anderen verschwunden, aber fortan ist sie in der Lage in den Symptomen zu lesen und so zu deren Auflösung beizutragen. Jemand anders entscheidet sich für einen Qi-Gong-Kurs und trifft dort auf Menschen, die ihm wichtige Heilungsimpulse geben. Vielleicht entwickelst du gesund gesteigerten Appetit auf bestimmte Lebensmittel oder fühlst den sanften Drang, einen bestimmten Ort aufzusuchen.

 

8. Du sammelst Erfolgserlebnisse

Dein Leberfleck verschwindet wie ein Pickel, die Blasenentzündung kehrt nicht wieder, du brauchst nur noch die Hälfte deiner Schmerzmittel. Die Eierstockzysten bilden sich zurück, die Knoten in der Schilddrüse werden kleiner, der gynäkologische Krebsabstrich ist wieder unauffällig. Dein Zahn revitalisiert sich, deine Kraft kehrt zurück, die Haare wachsen nach. Du kannst deine Gelenke besser bewegen oder deine Blutwerte lassen deinen Arzt staunen. Was auch immer es ist: Genieße deinen Erfolg! Erlebe ihn als Ansporn für deine Fähigkeit, dich selbst zu heilen.

 

9. Du bist deiner Krankheit dankbar

Du gehst gewandelt aus der achtsamen Auseinandersetzung mit deiner Krankheit hervor. Du bist nicht mehr die selbe Person wie vorher, sondern dank deiner Krankheit intensiv gereift. Du möchtest dein Gewonnenes nicht mehr missen und bist dankbar, dass dir Seele und Körper dein Thema so hartnäckig gespiegelt haben. Denn sonst wärest du nicht dort, wo du heute stehst! Du bist dankbar, so zu sein, wie du jetzt bist. Du nimmst deinen Körper anders wahr, nämlich achtsamer und verbundener, und spürst den tiefen Wunsch, ihn immer mehr in Heilung zu bringen.

 

10. Diagnosen werden unwichtiger

Je weiter du kommst, desto unwichtiger werden dir die Diagnosen für deine Krankheiten. Braucht deine Krankheit überhaupt noch einen Namen? Reicht es nicht, einfach zu spüren, dass da etwas in ein neues Gleichgewicht gebracht werden möchte? Brauchst du es überhaupt noch “krank” zu sein? Vielleicht hast du angefangen, dich ins Bett zu legen, bevor du “die Grippe” bekommst. Vielleicht hast du dich intuitiv anders ernährt und so deinen Körper von der Last befreit, einen “Tumor” zu entwickeln. Ich wiederhole die Frage: Brauchst du es noch, “krank” zu sein? Was passiert, wenn du nicht nur alle Diagnosen, sondern auch das Etikett “krank” loslässt...? Welche Räume gehen da auf und wie wirst du sie in deinem Alltag nutzen? Bist du bereit, so viel mehr Verantwortung für dich zu tragen? Ein herausforderndes und selbstbelohnendes Abenteuer wartet auf dich.

 

 

Selbstbestimmt kooperieren, wenn es stimmig ist

Bitte bedenke: dein Heilungsweg ist einzigartig. Er kann ähnlich, aber auch völlig anders als der deiner Mitmenschen sein. Traue dich, ganz (=heil) du selbst zu sein. Genau so kannst du dich heilen: Indem du vollständig bist, was du bist und nicht nur ein bisschen oder manchmal. Traue dich, heil zu sein!  Dann wirst du heilen, dich und andere. Nicht durch Absicht, sondern durch Abwesenheit deiner Angst, die volle Urkraft durch dich fließen zu lassen.

Das eben Gesagte schließt die selbstbestimmte Kooperation mit Schulmedizin und komplementärer Heilkunde keineswegs aus, solange es sich für dich wirklich stimmig anfühlt. Ein paar Beispiele:

  • Bei manchen Krebserkrankungen kann eine Operation dafür sorgen, überhaupt noch die Lebenszeit zu haben, um sich mit den komplexen Hintergründen dieser intensiven Erfahrung auseinanderzusetzen.
  • Den Erhalt bestimmter Zähne verdanke ich Zahnärzten, als ich noch nicht bereit war, mich selbst um die Heilung meiner Karies zu kümmern beziehungsweise überhaupt daran zu denken, dass dies möglich sein könnte.
  • Der achtsame Umgang mit Medikamenten oder von Fachleuten empfohlenen Nahrungsumstellungen kann helfen, den Körper, seine Bedürfnisse und seine Reaktionen besser kennenzulernen.

Weisheitsbasiertes Selbstheilungsprogramm

Wachsende Eigenmacht kann durchaus damit einhergehen, phasenweise einen starken Menschen an deine Seite zu bitten. Einfach, um diese innere Haltung (Verantwortung, Rückverbindung siehe oben) zu trainieren, sie immer flächendeckender anzuwenden und dabei auch schwierige Transfers und Heilungskrisen zu meistern. Es kann sein, dass du eine bestimmte Zeit lang Begleitung durch eine dir in der Entwicklung voraus seiende Person brauchst, die dir deine Reifung nicht abnimmt, sondern bereit ist, deinem höchsten Potenzial zu dienen. Du kannst den Unterschied spüren. Du fühlst, wie das ist, wenn man dich nicht retten will, sondern loslässt – dabei aber absolut hinter dir steht und unaufhörlich an dein höchstes Potenzial glaubt.

 

Bei schweren und/oder chronischen Erkrankungen ist neben dem Training der inneren Haltung ein weisheitsbasiertes Selbstheilungsprogramm anzuraten, das zu dir, deinem Alltag und der jeweiligen Etappe deines intuitiven Heilungsweges passt (damit es auch eingehalten wird). Es bietet den sicheren Rahmen dafür, dass im Transformationsprozess alles hoch kommen und deutlicher werden kann, du dich aber in kritischen Momenten nicht von Angst übermannen und auch nicht in schädliche Verhaltensmuster zurückreißen lässt.

 

Ein weisheitsbasiertes Selbstheilungsprogramm basiert auf Selbsterkenntnis, Einsicht und Konsequenz, ist dabei aber sanfter und nachhaltiger als jene “eiserne Disziplin”, deren Bumerang-Effekt bekannt ist: Nach anfänglichen Fortschritten und Erfolgserlebnissen kommt es über kurz oder lang zu einem (exzessiven) Rückfall in altes Verhalten.

 

Nie zu spät: Transformieren lernen und üben

Lerne mit ernsthaft-heiterer Gelassenheit all das anzunehmen, was sich auf deinem Weg der Selbstheilung zeigt (auch und vor allem in Schluchten von Zerstörungs- und Todesangst), und richte deinen Willen beständig auf Transformation aus. Je öfter du durch innere Zentrierung auf den Nullpunkt allen Seins (oder: das Nichts, das Alles ist)* solche Bewusstseinskanäle kreierst, desto LEICHTER kann Altes aus- und Neues einströmen. Blockaden schmerzen. Rückkehr in den natürlichen Fluss der Urkraft ist Heilung. Vielleicht schaust du auch deshalb so gerne auf Seen, Flüsse und das Meer? Es spiegelt dich. Es erinnert dich. Es ist.

 

Ich rede nicht von einem dauerhaften Retreat, sondern vom Dasein. Dasein im Sinne einer immer konstanter werdenden Zentrierung inmitten eines auf Ganzheit ausgerichteten Alltags — mit den normalen (jedoch im neuen Bewusstsein und deshalb anders ausgeführten) Pflichten eines mündigen und seinen Platz einnehmenden Menschens.

Es ist nie zu spät, damit anzufangen. Selbst auf dem Sterbebett kann das bewusste Transformieren erlernt werden und auf diese Weise ein SANFTER Übergang gelingen. Es geschieht von allein, wenn du den Prozess nicht mit deinen eigenen Ängsten und Sorgen störst, sondern dich mit ihnen und der sterbenden Person fallen lässt. Nicht in die Verzweiflung, sondern in diese eine Liebe, die alles trägt, was ist. Gehalten vom Urgrund allen Seins strömt tiefer, tiefer FRIEDEN ein.

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* Das hier Gesagte ist nur eine andere Formulierung für die eingangs kurz skizzierte Rückverbindung. Ich varriere gerne die Begriffe. Erstens, weil ich mit sehr unterschiedlichen Menschen zu tun habe. Zweitens, um deutlich zu machen, dass es mir nicht um eine Technik oder Methode, sondern eine innere Haltung geht, die sich in immer mehr Alltagsbereiche hinein ausdehnt. Drittens, weil ich jeden Begriff unbefriedigend und zu klein finde für das, was so unsagbar machtvoll mein Leben trägt.