Mentale Stärke

Das (Un-)Mögliche schaffen

© Dr. Simone Meller, Kühner Stilmix 2018

 

 

Dieser Text ist ein kühner Stilmix aus meiner alten Kurzvita (2011) und einer später erfolgten Reflexion über mentale Stärke (2018). Zuerst erfährst du, welche Ausbildungen und berufliche Entfaltung ich im Dienstleistungssektor der Bundesrepublik Deutschland (BRD) genossen habe. Und dann, wie meine mentale Stärke einer Bewährungsprobe unterzogen wurde: Auf dem Höhepunkt der spanischen Wirtschaftskrise ließ ich mich in die südamerikanisch geprägte Agrarkultur der kanarischen Insel La Palma führen, um dort einerseits innerhalb der ländlich-konservativen Bevölkerung die Prinzipien intuitiver Selbstheilung beiläufig, aber zeitintensiv vorzuleben und um andererseits eine neue, ortsunabhängige berufliche Selbständigkeit aufzubauen.

I. Lehrjahre und erste Selbständigkeit

Ich habe mit Freude am Fördern von Bewusstsein in verschiedenen Teams und Branchen gearbeitet, angefangen vom Journalismus und den Bereichen Interkulturelles Lernen (Friedensprojekte) und überparteiliche Politische Bildung über die Sparten Versicherungswirtschaft und städtische Abwasserentsorgung bis hin zu medizinisch-psychosomatischen und psychiatrischen Kliniken.

 

Ab 2003 gab ich als selbständige Diplom-Psychologin Coachings, Trainings und Moderationen für Unternehmen. Außerdem führte ich bis 2011 in Hamburg eine Praxis als Psychotherapeutin für Erwachsene (Approbation der Bundesrepublik Deutschland), mit zusätzlicher Fachkunde für Kinder und Jugendliche.

 

Parallel promovierte ich, indem ich intuitive Selbstheilungen, wie ich sie seit 2000 bei mir selbst und anderen beobachtete, in gesundheitspsychologische Konzepte übersetzte. Das tat ich entlang des  Begriffs der Selbstverwirklichung und unter Zuhilfenahme der Quantenphysik, um auf logische Weise die im Hauptstrom der Gesundheitspsychologie vorherrschende gedankliche Spaltung von Leib und Seele zu überwinden.

 

II. Bekenntnis zur Liebe meines Lebens

Durch all die Jahre hinweg fand ich Übereinstimmungen und Abweichungen zwischen meinem Herzensweg, zahlreichen (nicht) wissenschaftlich fundierten Methoden und Weisheitslehren. Identifizieren konnte ich mich mit keiner. Ich übte mich in der korrekten Anwendung und wenn ich diese nicht mit meiner Seele vereinbaren konnte, klärte ich mein Gegenüber darüber auf, wie ich stattdessen zu arbeiten bevorzugte, und holte mir seine Einwilligung für ein von den Regeln der Kunst abweichendes Vorgehen.

 

Mein Weg besteht darin, 24 Stunden, 7 Tage die Woche in der allumfassenden Liebe zu leben und ihrem ständigen Ruf aus der Tiefe immer wieder neu zu folgen. Ich kenne keinen größeren Wachstumsturbo! In dieser Hingabe an die Urkraft wuchs ich schrittweise über meine Vorberufe hinaus, bis ich diese 2011 schließlich niederlegte, um als freie Heilerin zu arbeiten.

 

Mit ein paar spanischen Grundkenntnissen folgte ich meiner inneren Führung auf die kanarische Insel La Palma, wo ich auf eine urtümlich lebende, aber im Wandel begriffene Gesellschaft traf, in der zuviele Menschen beim monatelangen Warten auf einen OP-Termin verstarben und bei seelischen Problemen anstelle von indizierter Psychotherapie schwere Medikamente erhielten.

 

III. Ohne Netz und doppelten Boden

Ich landete ohne äußere Sicherheiten und wurde Zeugin des unvergleichlichen Höhepunkts der spanischen Wirtschaftskrise. Unvergleichlich – da die im Mangel ausharrende Bevölkerung sozialstaatlich so wenig abgepuffert wurde, dass in an langjährigen Wohlstand für alle gewöhnten Ländern wie Deutschland vermutlich soziale Unruhen und vielleicht sogar Chaos ausgebrochen wäre. Ich beobachtete, dass Touristen diese prekären Verhältnisse häufig nicht mitbekamen und auch ich hatte erst Willen und Kraft entwickeln müssen, um hinter die Fassade zu schauen.

 

Die Gesetze für Selbstständige waren damals drakonisch, und Angestellte wurden für wenige Wochenstunden zur Scheinselbständigkeit gezwungen und wieder fallen gelassen. Am laufenden Band eröffneten neue Geschäfte und schlossen innerhalb kurzer Zeit schon wieder. Ganze Familien harrten in baufälligen Häusern und von einem einzigen Einkommen aus, nämlich der kleinen Rente der Oma.

 

IV. Ideal, um mentale Stärke zu trainieren

Die Welt um mich herum wankte, während ich dabei war, in einem fremden Land Fuß zu fassen, was ja nicht nur unter dem Gesichtspunkt von Integration eine völlig andere Herausforderung an die Persönlichkeit darstellt als ein vorübergehender Tapetenwechsel (Urlaub, Sabbatical-Jahr). In diesem Klima machte ich mich also das zweite Mal in meinem Leben intuitiv selbständig. Als freundlich aufgenommene EU-Bürgerin durfte ich in einer lebensbejahenden, zutiefst solidarischen, südamerikanisch geprägten Agrarkultur alles neu lernen (zum Beispiel Networking, Banken- und Behördensystem, Buchhaltung, Vertrags- und Steuerrecht), während mich die unverfälschte wilde Natur fundamental läuterte und nährte.

 

Ich baute meine mentale Stärke aus: In einer konservativ-ländlichen und strukturschwachen Umgebung, die andere Ziele verfolgte als ich, und ummringt von negativen Nachrichten und verzweifelten Personen (die aber oft nicht offen für meine Herangehensweise waren) betrachtete ich also jede Herausforderung solange mit auf Befreiung fokussiertem Bewusstsein, bis ich den nächsten Lösungsschritt fand und/ oder nichts mehr übrig blieb als  l e i s e  strömende Glückseligkeit, aus der heraus sich dann alles von ganz alleine fügte.

 

Nicht immer so, wie mein kleines Ich es gewollt hätte, aber so, dass es letztlich für alle Beteiligten und auch für mich gut war. Oder sogar meine Vorstellung um ein Vielfaches übertraf! Ich benutzte meine mentale Stärke also nicht, um den Dingen meinen Willen aufzuzwingen (das wäre flüchtiges lautes Glück), sondern um mich auf den nachhaltigen Einklang auszurichten, in dem es immer, aber wirklich immer auch Platz für mich und all meine wesentlichen Bedürfnisse gibt.

 

V. Rasante Entwicklung dank Langsamkeit

Das hatte ich auch schon vorher oft getan, sonst wäre ich schließlich nicht von Hamburg nach La Palma gezogen. Ich tat es vorher nur nicht so konsequent “flächendeckend” wie jetzt in einer unübersichtlichen Situation mit verstellten Parametern, in der ich mich existenziell auf weise Führung angewiesen fühlte. 

 

Was nun anders war, dass ich demütiger und gründlicher meine Hingabe an die Liebe lebte: Ich übte die beschriebene Ausrichtung meines Bewusstseins tags auf Schritt und Tritt und sogar nachts, wenn ich auf Toilette ging oder einfach so erwachte. Es war so wunderbar wirksam. Dazu entstand das Gedicht Orientierung, in dem ich das fortlaufende Aufstöbern und Umwandeln von Energie (Transformation) als “Kraft Jagen” bebildere.

 

Um die erforderliche Konzentration zu erhalten, musste ich zwar alles langsamer und bedächtiger machen. Aber dafür war alles besser im Fluss und ich fühlte mich getragen. Meine drei wichtigtsten Entwicklungswerkzeuge waren also:

  • innerer und äußerer Dialog entlang meines Spürvermögens,
  • das Ausrichten von Gedanken auf konstruktive Klarheit und
  • meinen Erkenntnissen entsprechend konsequentes Handeln.

Dank dieser der Tiefe verbundenen Langsamkeit lernte, lernte und entwickelte ich mich in hoher Geschwindigkeit, während ich schrittweise meine Vision einer natürlichen und schlichten Heilarbeit verwirklichte. Meine Menschenkenntnis verfeinerte sich. Scheinbare Verbindungen, die aber meinen Fokus nicht teilten, lösten sich auf und wurden durch echte ersetzt.

 

VI. Die Jahre vergingen wie im Flug

Mittlerweile (Herbst 2018) sind sieben Jahre vergangen und meine zweite Selbständigkeit steht auf sicherem Grund. Dank meines Vertrauens in die immer präsente innere Führung fühle ich mich wie ein fest verwurzelter Baum, der dennoch biegsam genug ist, um im Sturm ungebrochen zu bestehen.

 

Es ist erfüllend und krisensicher, intuitiv vom Herzen her geführt zu wirtschaften, weil mit der Ausrichtung auf die allumfassende Liebe das Dienen im Mittelpunkt steht und sich der große Rest aufgrund des Resonanzprinzips hintendrein fügt. Die Liebe sorgt für uns, wenn wir es nur zulassen. Man muss einfach kraft seines Willens den Verstand dazu bringen, immer wieder neu der weit über uns hinaus blickenden Liebe zu folgen anstatt automatisch die eingefleischten Programme von Angst und Mangel abzuspulen.

 

Dafür darf er aber auch der Liebe empört die Meinung geigen, um schließlich geläutert und mit klaren Anweisungen vorwärts zu neuen Aufgaben geschickt zu werden. Denn genau wie beim ausschließlich verstandesorientierten Wirtschaften wird sie gebraucht: mutige und energische Tatkraft! Sie ist nur anders ausgerichtet und funktioniert deshalb nach anderen Gesetzen.

 

VII. Ich wusste nicht, wie begrenzt ich gewesen war

Ja, und inzwischen gehöre ich auch zu den alten Hasen der Einwanderer, die Durchreisenden und Zugezogenen helfen, sich im System zurechtzufinden und für kulturelle Besonderheiten zu sensibiliseren. Dabei entdecke ich manchmal, was sich alles verändert hat. In mir und um mich herum.

 

Ich bin dankbar, dass ich das Geschenk von La Palma angenommen habe. Es war größer als ich es mir je in meinen kühnsten Träumen hätte ausmalen können. Es hat meine unbewussten Selbstbegrenzungen gesprengt und mich so werden lassen, wie ich zu Anbeginn der Zeit gemeint war.