Übergang

Lyrik 3

1. Es ist (2009)

ich habe etwas erfahren
und ich kann es nicht halten

ich habe etwas wesentliches erkannt
und als ich die augen aufschlug
war es verflogen

es ist weiter in mir
doch ich kann es nicht fassen

es wirkt in mir
jenseits an einem anderen ort

ich war so innig mit ihm
es war so schön es zu sein

doch nun ist es fort
und ich... bin hier

und es wirkt in mir

je mehr ich es rufe
desto weiter entfernt es sich

und je mehr ich es lasse
desto mehr wirkt es in mir

es ist

 

 

 

2. Ein Hauch (2009)

Nur noch ein Hauch
doch der Schleier weht schwer
Sinke ermattet
ins weite blaue Seelenmeer
Falle tiefer
auf geistigen Grund
wo alles
spricht aus einem Mund

Hier will ich sein
doch fehlt mir die Schwere
Steige hinauf
in das Treiben dualer Sphäre
Gebe mich hin
den Spielen der Polarität
dem Auf und Ab
aus dem Leben entsteht

Die Kraft in der Tiefe
lenkt jeden meiner Schritte
Und ist es soweit
dann bedarf es keiner Bitte
Von ganz allein
sinke ich in ewige Stille hinein
Von ganz allein
kehrt alles in ewige Liebe ein

 

 

 

3. Die Pioniere (2010)

wir fanden einen pfad und gingen ihn immer weiter
je weiter wir kamen desto mehr kehrten wir heim
um als liebende geliebte nahbar mit denen zu sein
die uns fern ihrer welt hatten entschwinden sehen

daheim in der einen welt umschlängeln wir die erde
zu umarmen die schmerzen neu mit ihnen zu sein
wir kehrten heim zum fühlen doch nicht zum leiden
wir sind zum lösen doch nicht zum retten bereit

von herzen gern lachen und weinen wir mit denen
die an ihren orten neue wege zu zeichnen beginnen
wir achten und ehren auch jene im dunklen gewand
wie unendlich schön ihr mut ihre hingabe ans spiel

ein nichts in dieser welt das nicht in ordnung wäre
alles aber auch wirklich alles der einen liebe wert
zur gewissheit geronnene erfahrung ist das eine
das andere: es zu üben täglich neu bleibt auch uns

 

 

 

4. Sprung in den Fluss (2010)

Wie gerne teilte ich meine Erinnerungen mit dem,
der du nicht mehr bist. So werfe ich sie in den Fluss,
der ebenfalls niemals der gleiche ist. Springe
mit Heraklit hinterdrein, wieder mit
allem verbunden zu sein.

 

 

 

5. Wilde Tulpen (2010)

Die Vase zu eng, der Drang zu groß,
wohin mit den Farben, der Fülle bloß.
Zu sehen die Tulpen, die wilden Schönen -
ach, das verstärkt meines Herzens Sehnen.

Mit meiner Schwingung voll und ganz
zu drehen den großen, weiten Erdentanz.
Mich nicht verringern oder reduzieren,
an Grenzen anderer mich verlieren.

Ich wünsche mir zu bleiben, in voller Pracht,
auch beim Schreiten durch des anderen Nacht.
Ich bin bin bin, das weiß ich ganz genau
wie diese Tulpe, eine wunderbare Frau.

 

 

 

6. Melodram am Mittag (2010)

Gib mir Flügel zu fliegen mit den Fahnen im Wind
denn schon wiege ich im Rhythmus des einen Atems
wenn das graue Meer stürmt gewaltig zum Fluss herein
und unsere Grenze zwischen Nordsee und Elbe vergeht

Bin ich die Möwe die da schreit so gell am Wolkenberg
wie auch die Fliege auf der Suche nach einem Fenster
so weht mein Schleier mit dem Rosenstrauch am Haus
pulsend und wiegend, alles schmiegt sich in eins hinein

Sind es meine Tränen oder ist es das Meer das rollt
Ergreift es mich oder ergreife ich das nicht zu Ergreifende
Immer sind es Wehen die bringen und holen das Eine
als Gischt als Regen als Lachen als Tanz als Geste herein

 

 

 

7. Verwirrung heilen (2012)

überverantwortlich
stehe ich vor dir
und ergebe
mich dem einen

verantwortlich
stehe ich vor dir
und ergebe
mich dem einen

ohnmächtig
stehe ich vor dir
und ergebe
mich
dem einen

unschuldiges sein
entspringt dem einen
unerträgliches licht
für in schuld gestolperte
durch scham gefangene

also: sein
immer und immer wieder
bis alle verwirrung
erlöst

 

 

 

8. Sanftes Fallen (2010)

Nichts an dem ich mich fest halten könnte
nur sanftes Fallen in die erste Rose im Garten
nun kehrt auch hier im Norden schwül der Juni ein

Die großen Pötte ächzen durch die Fahrrinne
Sog und Wellenschlag tränken Ufer im saftigen Grün
Hunde im Sand mit Frauchen wer führt wen wohin

Der Ostwind schon nachts für Unruhe sorgend
bringt das Neue treibt es hinaus auf das Meer
Es steigt auf und flirrt durch die Lüfte hin zu dir

 

 

 

9. Sommergefühle (2010)

frischer wind
in heißer sonne
und ein kühler wald

zarte kleider
keine strümpfe
hüpfen wie ein kind

ach, der duft der elbe
und die füße im sand:
sommer im land!

 

 

 

10. Sommerhymne (2010)

Weder den Duft der englischen Rosen
noch das Zirpen der Grillen im Garten
kann ich bebildern oder in Worte kleiden

Mir bleibt der Genuss von Sommerfreuden
und eine Spur von Buchstaben zum Zeigen
der Spinnennetze im Haar und Krabbelgetier

Schon musste ich lassen die Rosen – verblüht
kürzer werden die Tage die Füße abends kühl
erstmals vergessen zu bewässern die Beete

Versunken in der Exotik des Moschusbocks
leuchten die satten Farben des Sommers
wohin ziehen die Schnecken und mein Herz

Wie gerne hielte ich die Wärme dieser Zeit
geborgen in der Umarmung des Sommers
barfüßig und leicht durch Schatten tanzend

 

 

 

11. Wenn es Nacht wird (2010)

Wenn es Nacht wird
kommen die Sterne
Im kühlen Abendhauch
trunken zwischen
blütenschweren Zweigen
erhellt sich Vergangenes
mild im fernen Licht

 

 

 

12. Sonnenwende (2010)

Noch essen wir Äpfel aus dem vergangenem Jahr
doch die Kastanien tragen bereits Früchte
nachdrücklich der Sommersonnenwende entgegen

Noch rauscht der Wind durch das dichte Laub
doch flüstert er schon die Frage in dein Ohr
ob du dich erinnerst was in dir noch reifen will

Noch blühen die Rosen und ihre Schwestern
doch die Luft ist bereits voller Pappelsamen
der Schnee des Sommers lädt ein zu wachsen

 

 

 

13. Kreise (2010)

Kreise der Liebe schließen leise
selten sichtbar, unendlich weise.

Inmitten von Sorgen still geborgen
blühen wir – gestern, heute, morgen.

Von Zeit zu Zeit erblicken wir die Weise
wenn Kreise der Liebe schließen leise.

 

 

 

14. Tauchen (2010)

ich tauche
und tauche
und tauche
wie ein wal
ab und zu
manifestiere
ich mich
an der
oberfläche



 

15. Sein (2010)

Ich pulse und quelle
unaufhörliche Welle
Herz schlägt im Takt
einziger Schöpferakt
Hinaus und hinein
überbordendes Sein

 

 

 

 
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