Wegweisung

Licht im Seelendschungel

© Dr. Simone Meller, Lyrik 2009 – 2012

 

 

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Prolog

Kapitel 1: Mitgefühl

Kapitel 2: Natur

Kapitel 3: Ergebung

Kapitel 4: Loslassen

Kapitel 5: Bestehen

Kapitel 6: Urvertrauen

Prolog

Was mir gezeigt wurde

mir wurde der weiche blick gezeigt
- und wie ich dennoch klar und fest bleibe.
mir wurde bewahrens- und schätzenswertes gezeigt
- und wie ich auf überflüssiges verzichte.
mir wurde das fremde als einfühlbares gezeigt
- und wie ich ganz einfach bin.

mir wurden meine begrenzungen gezeigt
- und wie ich sie überwinde.
mir wurden löcher in meiner seelenhaut gezeigt
- und wie ich sie schließe.
mir wurde die schönheit des puren seins gezeigt
- und wie ich sie überall sehen lerne.

mir wurden die abgründe der menschheit gezeigt
- und wie ich das dunkle in meiner seele heile.
mir wurden unbeirrbare tiere gezeigt
- und wie ich von ihnen zu lernen hatte.
mir wurden chaos und nebel gezeigt
- und wie ich darin konzentriert navigiere.

mir wurden meine verführbarkeit gezeigt
- und wie ich ihr widerstehe und auch erliege.
mir wurde unendliche fülle und glückseligkeit gezeigt
- und wie ich antwort erhalte auf ernsthaft gestellte frage.
mir wurde das vergängliche und das bleibende gezeigt
- und was in allerschwerster stunde trägt und hält.

mir wurden liebe und frieden gezeigt
- und wie ich all meine zähne zeige.
mir wurde die eine leuchtkraft gezeigt
- und wie ich ertrage, was ich sehe.
mir wurde der freie flug gezeigt
- und wie ich feuerproben bestehe.

mir wurde meine bestimmung gezeigt
- und wie ich ihr gerecht werde
mir wurde meine berufung gezeigt
- und wie ich mich ihr stelle
mir wurde mein höchstes potenzial gezeigt
- und wie ich es erfülle.

 

 

 

Kapitel 1: Mitgefühl

1.1 Die Heimkehr der Pioniere

wir fanden einen pfad und gingen ihn immer weiter
je weiter wir kamen desto mehr kehrten wir heim
um als liebende geliebte nahbar mit denen zu sein
die uns fern ihrer welt hatten entschwinden sehen

daheim in der einen welt umschlängeln wir die erde
zu umarmen die schmerzen neu mit ihnen zu sein
wir kehrten heim zum fühlen doch nicht zum leiden
wir sind zum lösen doch nicht zum retten bereit

von herzen gern lachen und weinen wir mit denen
die an ihren orten neue wege zu zeichnen beginnen
wir achten und ehren auch jene im dunklen gewand
wie unendlich schön ihr mut ihre hingabe ans spiel

ein nichts in dieser welt das nicht in ordnung wäre
alles aber auch wirklich alles der einen liebe wert
zur gewissheit geronnene erfahrung ist das eine
das andere: es zu üben täglich neu bleibt auch uns

 

 

1.2 Abgrenzung

verwundert steh ich hier
vor deiner angelehnten tür
sammle wieder ein
was nicht hatte dürfen sein


weiter geht mein weg
hinterlasse eine spur als steg
ja zu deiner hürde
nein sie ist nicht meine bürde

 

 

1.3 Geduld

ich bringe dich nicht
zum weinen oder zum lachen
mit mir darfst du
jede erfahrung in liebe machen

gern lausche ich mit
was tief in meinem herzen klingt
wenn deine seele mit
meiner ein liedchen in stille singt

manchmal möchte ich
dir gerne was schönes schenken
was könnte ich geben
ohne von dir zu mir zu lenken

ich halte den mund
bis mein herz hebt zu sprechen an
ich lasse das schenken
bis mein herz setzt zur hingabe an

dich berührt mein sein
auf vertraut und fremde weisen
forme du deinen weg
in aufwärts sich drehenden kreisen

 

 

1.4 Manifestation

manifestation ist einem vogel gleich
achtsam die hand, landet er weich
kein rufen, kein zerren, kein ziehen
nur tief in dir drin ganz sanftes spüren

das zepter erlöster macht in liebe heben
voll mut dein und nur dein leben zu leben
dann entfaltet sich mit voller pracht
alles was du in der tiefe hast mitgebracht

 

 

1.5 Lieben

wenn dein geschenk größer ist
als deine arme fassen können
dann stirb und werde neu
wieder und wieder
falle in deine tiefen
um zu weiten dein herz

wisse und sei sicher
im sterben der liebenden
wird ihr segen neu geboren
das was größer ist als du
braucht deinen kleinen tod
um zu weiten deinen blick

 

 

1.6 Dein freier Wille

nutze deinen freien willen und
lerne dein herz offen zu halten
es erlöst dir jeden schmerz
und wenn du es lässt
dann führt es dich heim

nutze deinen freien willen und
lerne aktiv im passiven zu sein
es will dich kneten so weich
und wenn du es lässt
dann walkt es dich heim

nutze deinen freien willen und
lerne das ungewisse zu lieben
es kommt um dich zu holen
und wenn du es lässt
dann trägt es dich heim

 

 

1.7 Sterne werfen

sterne werfen durch den weiten raum
- hinterherzuschaun

zauberhaft und wunderbar
- immerdar

sie zu halten wäre nicht der sinn
- alles gibt sich hin

funken sprühen durch die zeit
- das ist ewigkeit

sternenstaub im erdensand
kehre heim, du bist erkannt.

 

 

1.8 Das Wort des freien Herzens

alle segel will ich streichen
um mit dir voran zu schreiten
keiner schwelle will ich weichen
sondern üben flügel auszubreiten

du bist das wort des freien herzens
das zwischen uns schwingt
du bist die botschaft der liebe
die tief im herzen klingt

alle segel will ich streichen
um mit dir voran zu schreiten
keiner schwelle will ich weichen
sondern üben flügel auszubreiten

 

 

1.9 Glückseligkeit (I)

kein wort, kein bild, kein lied
doch alles - dazwischen - trifft den ton
kein lachen, keine träne, keine geste
denn das erzählen, das kennt man schon
wo bleibt meine kunst, wenn der ausdruck vergeht
wo bleibt meine weisheit, wenn sie plötzlich verweht
keine form, kein gefäß vermag  e s  zu fassen
so bleibt mir nur das alles, alles loszulassen
ich falle und werde zur formlosen form
kein bess'rer ausdruck fällt mir ein
als huldigung in vivo zu sein

 

 

1.10 Für deinen Schmerz

Die Liebe des Seins hüllt uns ein
ganz sanft und voller Trostes Kraft
Die Liebe des Seins lass herein
schaue, was zu wandeln sie schafft
Die Liebe des Seins mitten ins Herz hinein
zu füllen, zu fluten den Raum der Pein.

 

 

1.11 Hallelujah

Wohin mit meiner Liebe
sie scheint grenzenlos
rennt in alle Richtungen
findet keine Wände
läuft und läuft und läuft
wird immer mehr und mehr
nach oben nach unten
nach allen Seiten
dehnt und dehnt sich aus
rennt aus purer Freude
aus Lust am großen Sein
will überall lebendig sprudeln
quillt in Ritzen und Winkel
läuft über und über
Haaalleeeeluujaaaaaaaah

 

 

1.12 Die wilden Tulpen

Die Vase zu eng, der Drang zu groß,
wohin mit den Farben, der Fülle bloß.
Zu sehen die Tulpen, die wilden Schönen -
ach, das verstärkt meines Herzens Sehnen.

Mit meiner Schwingung voll und ganz
zu drehen den großen, weiten Erdentanz.
Mich nicht verringern oder reduzieren,
an Grenzen anderer mich verlieren.

Ich wünsche mir zu bleiben, in voller Pracht,
auch beim Schreiten durch des anderen Nacht.
Ich bin bin bin, das weiß ich ganz genau
wie diese Tulpe, eine wunderbare Frau.

 

 

1.13 Kreise der Liebe

Kreise der Liebe schließen leise
selten sichtbar, unendlich weise.

Inmitten von Sorgen still geborgen
blühen wir - gestern, heute, morgen.

Die Bogen der Liebe so weit wie das Firmament
durch das Spiel der pochenden Herzen gelenkt.

Im Pulse der Herzen erklinget der Takt
Impulse der Herzen vollziehen den Akt.

Gehalten auf tiefem Grund
zeichnen Seelen das Rund.

Von Zeit zu Zeit erblicken wir die Weise
wenn Kreise der Liebe schließen leise.

 

 

1.14 Wenn du im Herzen offen bist

Ein Stern, der dir winkt,
ein Mund, der dich trinkt,
ein Herz, das dich hält,
dich - ganz unverstellt.

Es strömt zusammen, was dehnte sich aus.
Verströmt sich weiter ins Neue hinaus.
Falle in bergende Himmel hinein -
vorbei alle Pein, nimmer allein.

Es blinken dir Sterne,
überbrücken die Ferne,
die innerlich keine ist,
wenn du im Herzen offen bist.

 

 

1.15 Über die Ufer

Ich bin ein Fluss, der über die Ufer schwappt
der sich verströmt, denn er wird nie mehr gekappt.

Ich bin ein Fluss, der seines Weges zieht,
Gelöstes hinter sich lässt, nach vorne sieht.

Ich bin ein Fluss auf dem Weg zum Meer
Oh, ich liebe das Fließen so sehr.

 

 

1.16 Soldat, ich ehre dein tapferes Herz

Soldat, ich ehre dein tapferes Herz
und fühle deinen stillen Schmerz.
In dir erklingt ein einsames Lied
das sich durch die Jahrtausende zieht.

Ich war Geliebte, dein Feind und vieles mehr
darum rührt mich dein Schicksal so sehr.
Ich hab' gezielt und oft geschossen,
getroffen und Tränen vergossen.

Die sterbende Hand in Erde gekrallt
wenn unerhört mein Schrei verhallt.
Gerettet die Mütter und ihre Kinder,
verhungert, erfroren im bitteren Winter.

Soldat, ich trommle dir ein zärtliches Lied
das dich in and're, neue Leben zieht.
Spüre dein Herz, auch wenn es Leid dir klagt.
Wisse, ich singe dein Lied ganz unverzagt.

Sei sicher, es wendet sich die Zeit
nach einst gewählter Ewigkeit.
Ich singe dein Lied immer weiter
bis es uns alle erfüllt - laut und heiter.

Sterben auch Menschen von deiner Hand,
wird deine Seele in Liebe neu erkannt.
Lieber Soldat, du bist nicht allein,
fühl' dich umarmt von unserem Sein.

 

 

Kapitel 2: Natur

2.1 Gedichte brauchen Zeit

ein gedicht braucht unsere zeit
zum werden und später beim lesen
entfaltet kraft in achtsamkeit
zeigt wer du bist und wer du gewesen

 

 

2.2 Zur Brücke an den Fluss

So geh zur Brücke an den Fluss,
wo ein altes Muster weichen muss.
Dein Herz mach auf, die Tore weit,
lass tief herein, was längst bereit.

Lern zu bleiben in der klaren Kraft,
die die Felder ändert, Wandel schafft.
Sei offen und weich, ja, immer mehr!
Öffne! Öffne den Raum so sehr!

In neues Leben lass fallen
dich voller Vertrauen - !
Es ist wie still am Morgen
den Regenbogen zu schauen.

 

 

2.3 Wo der Himmel das Wasser küsst

Gesunkene Schiffe, bergender Strand
Wasser, was spülst du an Land?
Sanfte Wellen, leises Rauschen
Labsal - nur still zu lauschen.

Verborgene Riffe, reißende Strudel
Spuren im Sand erzählen vom Trudel.
Wolkende Himmel, weiches Licht
Horizonte begrenzen sich nicht.

Wo der Himmel das Wasser küsst
das Wasser das Land begrüßt
das Land zur Sonne ragt hinauf
dort, dort gehen die Herzen auf.

 

 

2.4 Wohlige Heimkehr

Spät in der Nacht
kehre ich heim
falle in
den Frieden des Ortes und
das sanft heranwehende
Geschnatter vom Fluss
Der Strand, der Mond
das wartende Haus
Wohlig wieder
hier zu sein

 

 

2.5 Strömt das Neue ein

schon flüstert der wind
vom berg zum strand

rauscht in meinen ohren
das unbekannte wort

da drückt der himmel
seine themen in die erde

sinken meine lider
strömt das neue ein

weder kenne ich das ziel
noch weiß ich den namen

doch fließt es wie wasser
aus einer heißen quelle

 

 

2.6 Kleine Wonnen

Höre, wie es klingt,
wenn eine Blume trinkt
Und wie gut es riecht,
wenn Leben aus der Erde kriecht
Oh, wie herrlich es schmeckt,
wenn Frühling deine Sinne weckt.

 

 

2.7 Melodram am Mittag

Gib mir Flügel zu fliegen mit den Fahnen im Wind
denn schon wiege ich im Rhythmus des einen Atems
wenn das graue Meer stürmt gewaltig zum Fluss herein
und unsere Grenze zwischen Nordsee und Elbe vergeht

Bin ich die Möwe die da schreit so gell am Wolkenberg
wie auch die Fliege auf der Suche nach einem Fenster
so weht mein Schleier mit dem Rosenstrauch am Haus
pulsend und wiegend, alles schmiegt sich in eins hinein

Sind es meine Tränen oder ist es das Meer das rollt
Ergreift es mich oder ergreife ich das nicht zu Ergreifende
Immer sind es Wehen die bringen und holen das Eine
als Gischt als Regen als Lachen als Tanz als Gnade herein

 

 

2.8 Sanftes Fallen

Nichts an dem ich mich fest halten könnte
nur sanftes Fallen in die erste Rose im Garten
nun kehrt auch hier im Norden schwül der Juni ein

Die großen Pötte ächzen durch die Fahrrinne
Sog und Wellenschlag tränken Ufer im saftigen Grün
Hunde im Sand mit Frauchen wer führt wen wohin

Der Ostwind schon nachts für Unruhe sorgend
bringt das Neue treibt es hinaus auf das Meer
Es steigt auf und flirrt durch die Lüfte hin zu dir

 

 

2.9 Sommergefühle

frischer wind
in heißer sonne
und ein kühler wald

zarte kleider
keine strümpfe
hüpfen wie ein kind

ach, der duft der elbe
und die füße im sand:
sommer im land!

 

 

2.10 Einladung zur Sonnenwende

Noch essen wir Äpfel aus dem vergangenem Jahr
doch die Kastanien tragen bereits Früchte
nachdrücklich der Sommersonnenwende entgegen

Noch rauscht der Wind durch das dichte Laub
doch flüstert er schon die Frage in dein Ohr
ob du dich erinnerst was in dir noch reifen will

Noch blühen die Rosen und ihre Schwestern
doch die Luft ist bereits voller Pappelsamen
der Schnee des Sommers lädt ein zu wachsen

 

 

2.11 Wandlungen

Wenn ich traurig bin wie die Weide am Wasser,
werde ich zart und stark wie die Birke am Weg.
Wenn ich glühe wie der Sand in der Sonne,
werde ich sanft und fest wie die Klippe im Fluss.
Wenn ich fließe mit allem zum Meer,
werde ich frei wie die weiße Möwe,
eine Schaumkrone am Himmel, die lacht.

 

 

2.12 Reise zum Horizont

Wir lesen die Zeichen am Abend,
durchfliegen die Nacht bis zum Morgen
und steigen mit der Sonne in den Zenit.

Wir betrachten den Schattenwurf,
strahlen zum Mond und zurück
und versinken spurlos im Horizont.

 

 

2.13 Wie eine Murmel im Sand

In der Geborgenheit
eines Gedichts
das sich deinem hastenden
Auge entzieht
leuchtet ein Schatz

wie die wartende
Murmel im Elbsand
die meinen Blick
auf sich zieht

Ich beuge mich nieder
und trete das Erbe
eines Kindes an
Mit schillernder Kugel
und ihren Zeichen

 

 

2.14 Alles nur herrlich

Ist es der Himmel
oder die Weite gen Nordsee
das Wasser
oder der heiße Sand
die Wärme
oder der zärtliche Wind
dass mein Auge
alles nur herrlich sieht?

 

 

2.15 Wenn es Nacht wird

Wenn es Nacht wird
kommen die Sterne
Im kühlen Abendhauch
trunken zwischen
blütenschweren Zweigen
erhellt sich Vergangenes
mild im fernen Licht

 

 

2.16 Sommerhymne

Weder den Duft der englischen Rosen
noch das Zirpen der Grillen im Garten
kann ich bebildern oder in Worte kleiden

Mir bleibt der Genuss von Sommerfreuden
und eine Spur von Buchstaben zum Zeigen
der Spinnennetze im Haar und Krabbelgetier

Schon musste ich lassen die Rosen - verblüht
kürzer werden die Tage die Füße abends kühl
erstmals vergessen zu bewässern die Beete

Versunken in der Exotik des Moschusbocks
leuchten die satten Farben des Sommers
wohin ziehen die Schnecken und mein Herz

Wie gerne hielte ich die Wärme dieser Zeit
geborgen in der Umarmung des Sommers
barfüßig und leicht durch Schatten tanzend

 

 

Kapitel 3: Ergebung

3.1 Sind wir still

Eigentlich bist du ein Fluss,
der fließen, fließen muss.
Er strömt und strömt in einem fort,
bleibt nie nur an dem einem Ort.

Weil er nichts als fließen will.
Und das gelingt – sind wir still…

 

 

3.2 Erblühen und wieder vergehen

Lausche, du himmlisches Kind
den Gesängen von Seele und Wind.

Der Atem der Welt, er hauchet dir ein
was von dir empfangen und geboren will sein.

Erblühen und wieder vergehen –
sanft in alle Richtungen verwehen…

Getragen von Freude und Wind
Tanze – du himmlisches Kind.

 

 

3.3 Inne halten

hektik spürend
halte ich inne
tauche ein
da füllt sich
der raum
mit dem
was ist

 

 

3.4 Unaufhörliche Welle

Ich pulse und quelle
unaufhörliche Welle
Herz schlägt im Takt
einziger Schöpferakt
Hinaus und hinein
überbordendes Sein

 

 

3.5 Höre den Ton

Etwas Altes verklingt
etwas Neues schwingt
höre den Ton: er singt

 

 

3.6 Zu mir finden

so lauf ich hier lang
und so kam ich zu dir
nur zu dir

so wie sich das gras
unter meinen füßen neigt
beuge ich mich auch dir

so ergebe ich mich
nehme dich an
und mich wahr

so finde ich mich
zwischen halmen
im puren sein

 

 

3.7 Die den Wind ruft

Die den Wind ruft
auf der Welle reitet
nimmt was kommt
hergibt was fällt
ist frei für das was ist

 

 

3.8 Offen schwingen

ich schwinge
wie eine
blume im wind
offen für das
was wir
hier und jetzt sind

 

 

3.9 Sprung in den Fluss

Wie gerne teilte ich meine Erinnerungen mit dem,
der du nicht bist. So werfe ich sie in den Fluss,
der ebenfalls niemals der gleiche ist. Springe
mit Heraklit hinterdrein, wieder mit
allem verbunden zu sein.

 

 

3.10 Heilende Freiheit

als ich lernte
dein schicksal
loszulassen
und bedingungslos
zu bejahen
entstand
eine freiheit
die uns
beide heilt

 

 

3.11 Und die Stille

als die erde erde geworden war
sehnte sie sich nach dem himmel
und der himmel kam zu ihr

als die frau frau geworden war
sehnte sie sich nach dem mann
und der mann kam zu ihr

als das wort wort geworden war
sehnte es sich nach dem mund
und der mund nahm es auf

als der ton ton geworden war
sehnte er sich nach stille
und die stille

 

 

3.12 Tauchen wie ein Wal

ich tauche
und tauche
und tauche
wie ein wal
ab und zu
manifestiere
ich mich
an der
oberfläche



3.13 Nicht weichend

kein blatt vor den mund
kein ducken und
keine heimliche träne
stattdessen worte des feuers
wieder und wieder
hell lodernd
der finsternis entgegen
höre du
ich weiche nicht

 

 

3.14 Frisch geschlüpft

zart
nackt
staunend

 

 

3.15 Ganz sein

unabhängig von
allen leeren worten
freiheit pur
volles selbst zu sein
konsequente liebe
mündet im tiefen frieden

 

 

3.16 Fallende Grenze

Wer bin ich
dass ich ich sagen kann?

Wer bist du
dass ich sagen kann
du bist nicht ich?

Spürst du,
wie die Grenze vergeht
wenn sie endlich sicher steht?

Sie zu erheben
ist nicht vergebens

Erst dann
kann sie fallen

Siehst du,
wie sich aus Dualität
die Einheit neu erhebt?

Wie Phönix
steigt sie aus der Asche

Und aus der Glut
entfacht sich schon
das neue Feuer…

 

 

Kapitel 4: Loslassen

4.1 Es ist

ich habe etwas erfahren
und ich kann es nicht halten

ich habe etwas wesentliches erkannt
und als ich die augen aufschlug
war es verflogen

es ist weiter in mir
doch ich kann es nicht fassen

es wirkt in mir
jenseits an einem anderen ort

ich war so innig mit ihm
es war so schön es zu sein

doch nun ist es fort
und ich... bin hier

und es wirkt in mir

je mehr ich es rufe
desto weiter entfernt es sich

und je mehr ich es lasse
desto mehr wirkt es in mir

es ist

 

 

4.2 Vergänglich sein

vergänglich ist alles sein
mit einem tiefer seufzer
lass ich mich
liebend
darauf ein

es ist genuss
vergänglich zu sein

 

 

4.3 Hand in Hand

Du gehst zum Sein
Ich lasse es herein
Du atmest aus
Ich atme ein

In unserer Polarität
zergeht die Dualität

Hand in Hand
zur letzten Wand
Lösen uns auf im Sein
fallen ins All hinein

Zauberhaft zu erleben
ein goldenes Schweben

 

 

4.4 Im Strom sein

Wie eine Blume
schweben
im Raum

Zergehen
wie ein Raum
im All

Wie ein Baum
genießen
die Stärke

meines Körpers
in deinen Armen
so sanft

 

 

4.5 Ich zerteilte mein Du

lange suchte ich eins
und durfte es so sehr
letztlich fand ich viele
und noch manches mehr

ich zerteilte mein du
in unzählige splitter
und erblickte mein ich
im energetischen gitter

nie ging ich also nicht
an deiner geliebten hand
doch schmeckte nie gleich
was ich je durch sie fand

ich üb(t)e dich zu lieben
wie auch das andere dich
und nicht auszuschließen
die vielen dichs und mich

 

 

4.6 Sterben dürfen meine Worte

ich hole zurück meine worte die alten
die brachten trennung
zwischen dir und mir und allem herein

ich erkenne ein jedes durfte sein
um ins feuer der liebe zu fallen
und aus der asche neu gehoben zu sein

 

 

4.7 Nur noch ein Hauch

Nur noch ein Hauch
doch der Schleier weht schwer
Sinke ermattet
ins weite blaue Seelenmeer
Falle tiefer
auf geistigen Grund
wo alles
spricht aus einem Mund

Hier will ich sein
doch fehlt mir die Schwere
Steige hinauf
in das Treiben dualer Sphäre
Gebe mich hin
den Spielen der Polarität
dem Auf und Ab
aus dem Leben entsteht

Die Kraft in der Tiefe
lenkt jeden meiner Schritte
Und ist es soweit
dann bedarf es keiner Bitte
Von ganz allein
sinke ich in ewige Stille hinein
Von ganz allein
kehrt alles in ewige Liebe ein

 

 

4.8 Häutung Tag für Tag

häutung tag für tag
klären immer wieder neu
bis nichts mehr übrig ist
leicht leichter noch leichter

metamorphose nach innen
als verlust von allem ohne weh
gewordenes sterben lassen
für das was wir aufstieg nennen

 

 

4.9 Im ewigen Wandel

Ich schaue die Schiffe
und höre den Wind
froh über Fenster
die zwischen uns sind

Ich liebe die Sonne
und meide die Kälte
wo werden erbaut
die künftigen Zelte

Ich ehre das Wasser
und danke dem Land
auf dessen Boden
mein Gesicht erkannt

Ich drehe die Räder
und höre den Traum
trenne Essenzen
vom bloßen Schaum

Ich folge dem Rufe
und lebe mein Lied
bin offen dafür
wohin es mich zieht

Ich lausche der Erde
und neige die Stirn
vernehme den Klang
vom neuen Gebär'n

Ich kenne die Farben
und stimme den Ton
im steten Wandel
was wissen wir schon

 

 

4.10 Im Puls

Es fließt und fließt und fließt
unterbreche nicht den Fluss
durch deine Vorstellung

Es pulst und pulst und pulst
verändere nicht den Takt
durch deine Vorstellung

Du bist und bist und bist
verforme nicht dein Sein
durch deine Vorstellung

 

 

4.11 Hingabe an die Liebe

Darf ich lauschen
dem Sturm
seiner Wildheit
geben mich hin

Darf ich rennen
zur Sonne
ihrem Feuer
geben mich hin

Darf ich stampfen
die Erde
ihrem Beben
geben mich hin

Darf ich rufen
die Meere
ihrem Rauschen
geben mich hin

Darf ich leben
die Liebe
ihrem Strömen
geben mich hin

 

 

4.12 Ich sage Ja

ich sage ja zur liebe jener kraft
die alles wandelt alles schafft
auf neue weisen wege gründet
die zum wohle aller mündet

ich sage ja ich will es wagen
egal was manche dazu sagen
alles zu sehen und zu spüren
alles zurück in liebe zu führen

ich sage ja ich gebe uns frei
damit jeder sein höchstes sei
mich sein und werden stellen
gemeinsam unser licht erhellen

ich sage ja ich lasse mich ein
lernen der liebe treu zu sein
gebe die zügel aus der hand
lebe wild sanft und unbekannt

 

 

4.13 Totale Wandlung

Es  wandelte meinen Verstand
mein Gedächtnis
meine Sprache
den Raum
die Zeit
dich

Ich fand alles wieder
Kopf, Herz, Bauch
einen Kalender
mich-dich
halt in
ewigkeit

 

 

4.14 Überflutende Sonnen

Zwischen Tür und Angel
enspringt das Glück
unvermittelt
klopfend
lässt du es herein?
Schon steht es mit dir
im Raum
Von Innen her
geht eine Sonne auf
wärmt und dehnt sich
einer strahlenden Kugel gleich
die dich und alles trägt
Sonnen über Sonnen
überfluten einen Wintertag

 

 

4.15 Stiller Weg

mein ich fand weite
freiheit zum du
und klares sein
stiller weg
zur quelle
pore zwischen
himmel und erde
sinkt in berge
und meere
ein

 

 

4.16 Quellen

Ich weiß nicht
woher sie kam
wohin sie wollte
Aber sie tat mir gut
Die Mango am Morgen

Voller Wunder
meine Dualität
Unglaublich
dass du bist
dass ich bin

Wie ist es möglich
eine solche Freude
auf einen einzigen Tag
Da - ein jäher Schmerz
zart ins Herz genommen
rieselt sanft in den Fluss

Quellen wir über ergießen
uns in die Formen
der Liebe die wir
Leben nennen

 

 

Kapitel 5: Bestehen

5.1 Hingabe im Alltag

Ich lebe mein Wort
du wirfst es fort

Ich öffne dir mein Herz
du fühlst Schmerz

Ich berühre deine Nacht
die Leben zur Hölle macht

Ich reiche dir meine Hand
du lässt sie unerkannt

Oh, ich bin, was ich bin,
und gebe mich der Flamme hin

 

 

5.2 Schmerzen wandeln

Lass uns deinen Schmerz
zärtlich wie Kinder lieben
Komm, wir sinken wie
Tropfen ins Seelenmeer
und sprühen wie
Fontänen voller Licht


Als dein Schmerz
endlich den Raum füllte
blieben keine Fragen mehr offen
Das Wesen von Krieg erhellte sich
im haltenden Feld der ewigen Liebe

Lass uns die Wandlung
innig wie Kinder beobachten
Bleib, lass uns verweilen
in dieser Vereinigung von
Himmel und Hölle auf Erden


Als dein Schmerz
dem gewichen war
was zu dir kommen wollte
blieben keine Fragen mehr offen
Und es war still
bilderlos still

 

 

5.3 Wenn Schmerz zergeht

Dem ockerfarbenen Muskat
im Spinat nachschmeckend
leuchtet der Himmel plötzlich
im zart glühenden Rot
Unbeirrt weht der Ostwind
der Fluss fließt gen Meer

Schmerz zergeht wie Muskat
im fließenden Fluss
treibt mit den Eisschollen gen Meer
Möwen lachen am eisblauen Himmel
Die Sonne strahlt unbeirrt
schickt ihre Wärme in die Kälte

Ich atme tief und weit
mit Tränen in sehenden Augen
Mach mich auf und weit und bereit
Schaffe Platz für einen Zustrom an Liebe
der meinen Hunger stillt

Werde still und spüre wie
aus nahender Ferne
eine neue Wärme auch dein Herz erreicht
Dieses heilende Wunder
größer zu sein als wir beide
gelingt sanft und leise
wenn Herzen sich stillenden Himmeln öffnen

 

 

5.4 Schuldgefühle heilen

überverantwortlich
stehe ich vor dir
und ergebe
mich dem einen

verantwortlich
stehe ich vor dir
und ergebe
mich dem einen

ohnmächtig
stehe ich vor dir
und ergebe
mich
dem einen

unschuldiges sein
entspringt dem einen
unerträgliches licht
für in schuld gefallene
durch das eine

also: sein
immer und immer wieder
bis alle schuld
erlöst

 

 

5.5 Anrufung des Friedens

bitte zeig mir wege des friedens
wenn ich wüte über das
was ich im anderen sehe

bitte zeig mir wege des friedens
wenn ich vor tränen zergehe
über meinen schmerz

bitte zeig mir wege des friedens
wenn ich ins opfer falle
und klage erhebe

bitte zeig mir wege des friedens
wenn ich an kerkern rüttle
anstatt bei mir zu sein

bitte zeig mir wege des friedens
und hilf mir sie zu gehen
wenn ich ratlos bin

bitte zeig mir wege des friedens
immer und immer wieder
bis ich bei dir bin

 

 

5.6 Besinnung (horizontal)

Wenn ich
eine Schöpfung der Liebe bin
so will ich mein Schicksal preisen
Wie könnte ich mein Lernen
anders als mit Buchstaben
der einen Liebe zeichnen?

Wenn du
eine Schöpfung der Liebe bist
dann will ich dich ehren
Wie könnte ich dich
anders als mit Worten
der einen Liebe kosen?

 

 

5.7 Besinnung (vertikal)

Lass all meine Tränen
nur eine Träne und
zwar in deinem Herzen
sein

Lass all meine Falten
nur eine Linie und
zwar in deinem Antlitz
sein

Lass all meine Ängste
nur ein Begehren und
zwar nach deiner Liebe
sein

 

 

5.8 Dein Licht

Ich sehe dein Licht
auch wenn du finster bist
Ich höre dein Herz
auch wenn es verhärtet ist
Ich nehme dein Geschenk
auch wenn es anders ist
Ich fühle unser Sein
auch wenn Spaltung ist
Ich danke der Freiheit
die darin sichtbar ist
Ich empfange den Segen
der Heimkehr ist
Ich sehe dein Strahlen
auch wenn du dunkel bist

 

 

5.9 Engel auf Reisen

Es leuchten die Sterne
den Weg dir so gerne,
du Engel auf tausend Reisen,
das Menschsein zu begreifen.
Verwirrend der Erde Geflecht:
Wo bist du? Wer bin ich? Was ist recht?

Singe nur immer dein ureigen Lied,
das dich durch dein Leben zieht.
Takt für Takt verwebst du all deine Töne -
von Herzen entsteht das einzigartig Schöne.
Was unverbunden dir erscheint,
wird durch dein Wachsen in die Welt vereint.

Es wogen die Wellen, die schnellen.
Es sprießen die Samen, die lahmen.
Siehe das Bild, das Ton um Ton entsteht,
wenn ein Engel wie du durch das Leben geht.

 

 

5.10 Es ermöglicht alles

Es ist das Du
das mir ermöglicht
Ich zu werden

Es ist der Schatten
der mir ermöglicht
ins Licht zu gehen

Es ist die Schärfe
die mir ermöglicht
weich zu werden

Es ist der Hass
der mir ermöglicht
mein Herz zu öffnen

Es ist die Enge
die mir ermöglicht
weit zu werden

Es ist die Vielfalt
die mir ermöglicht
eins zu werden

 

 

5.11 Antlitze der Liebe

Wenn aber die Innigkeit eines jeden Augenblicks
das Schönste wäre, was du jemals erfahren kannst
was würdest du versäumen auf deinem Weg der Eile

Wenn ich aber Angst hätte und ohne Mut wäre
so könnte ich immer noch mein Herz öffnen
für den Zustrom an Liebe, der mich durch alles trägt

Wenn aber dein Atem friedlich ein- und ausströmte
so wie sich alles, alles gegenseitig durchdringt
was könnte dir passieren außer Geben und Nehmen

Wenn ich aber das Vertrauen wieder gefunden hätte
das Vertrauen eines Kindes, bevor es in Irrtum fällt
wie könnte ich da nicht jede Faser unseres Lebens lieben

Wenn das aber schon alles gewesen sein sollte
worin bestände die Schwierigkeit und die Leichtigkeit
was hättest du zu befürchten außer Antlitze der Liebe

 

 

5.12 Unaufhaltsam lieben

Die eine blickt Richtung Tod
der andere Richtung Leben
beide gesunken in tiefe Not
beiden hab' ich Liebe zu geben

Der eine saugt sie durstig auf
die andere verzichtet darauf
Unbeirrt rollt meine Welle
schenkt Liebe an jeder Stelle

Ob Poren sich öffnen so weit
oder sperren gegen die Zeit
Das liegt nicht in meiner Hand
doch wandelt sich das Land

 

 

5.13 Langsam

Da ich tief schürfe
komme ich langsam voran.
Noch sinke ich in deine ersten Worte
da bist du schon woanders.
Presse ich meine Worte
in deine Atempause
so verändert diese Form
deren ursprüngliche Essenz.
So können wir weder
in Sprache noch in Stille
miteinander sein.
Doch ruhe ich in mir
deine und meine
Gefühle aushaltend
wandelt sich das Muster
so fein wie der Sand im Wind

 

 

5.14 Finden

Es flüchten die Ohren
die Augen die Herzen
auf der ewigen Suche

Kein Ruf kein Wort
keine Geste vermag
sie zu halten

Es finden die Ohren
die Augen die Herzen
im spürbaren Jetzt

 

 

5.15 Anschub

Es ist das Schicksal
das mich noch tiefer
in die Stille
schiebt

Dort finde ich
was ich leichthin
zu heilen
übersah

Tat ich es
kommt einer
der es
braucht

 

 

5.16 Nackt und ohne Schutz

Ich lass dir deine Krone
und tanze meine Schritte
verbrenne meine Kleider
im Feuer deiner Blicke

Du hilfst mir zu werden
was ich immer schon bin
will nicht mehr verbergen
meine Power ihren Sinn

Ich zeige dir mein Leben
nackt und ohne Schutz
das wonach wir streben
liegt unter uns'rem Putz

 

 

Kapitel 6: Urvertrauen

6.1 Stilles Glück

Es fällt mit dem Regen auf das Dach
zieht sich in der Tasse Tee fort
begleitet bei den letzten Einkäufen
breitet sich beim Blick auf die Flut aus
inmitten von Vogelgezwitscher und rufenden Möwen
Wolkendes Licht trifft innere Ruhe
Unsagbar stilles Glück perlt aus meinem Herzen

 

 

6.2 Glückseligkeit (II)

der du mir meinen honig bringst
und mir deine hände zum frieden reichst
dem möchte ich offenbaren
meinen letzten schmerz

und mit dir will ich noch einmal
über die erde gehen
in dankbarer andacht
alles neu aus sicht des himmels sehen

der du mir meinen honig bringst
und mir mein dunkles zum lösen zeigst
mit dem möchte ich feiern
was immer mir auch geschieht

 

 

6.3 Beständiger Wandel

meine worte von gestern
verwehen
nur das eine band das bleibt
bestehen
unermüdlich aus asche neu
entstehen

 

 

6.4 Ohne Geländer

Alle Formen vergehen
Lerne ohne Geländer
fest - im Herz - zu stehen

 

 

6.5 Nichts und Alles

nichts besitzen
über alles verfügen

 

 

6.6 Urkraft

ich tauche in die tiefe und springe in den himmel
ich tanze auf der erde und zerberste im feuer
ich hänge lichter am nachtenen himmel auf
ich blühe aus meinem herzen der welt entgegen

 

 

6.7 Es hält mich

Es ergreift mich
trägt mich
hält mich

Es lässt mich
nicht los
und doch so frei

Es ist das
Größte und Kleinste
im einen

Es lässt mich
sprachlos nach
Ausdruck verlangen

Es macht satt
und still

Es ist
was es will

Es lässt mich
zittern und lachen

Es ergreift mich
trägt mich
hält mich

 

 

6.8 Fast wortlos

je mehr wunder
desto weniger worte
rückwärts krank
ist mehr als gesund
erstmals kinderlos
auf eigenen beinen
den schlüssel
in meiner hand

 

 

6.9 Vorbereitung

Zeige mir Weichheit, wenn ich hart werde
und Klarheit, wenn ich weiche

Zeige mir Bestimmtheit, wenn ich mutlos bin
und Bedächtigkeit, wenn ich ungestüm bin

Zeige mir deine Macht in schwerster Stunde
und meine Stärke in deinem Schweigen

 

 

6.10 Orientierung

lerne das wachen
und das jagen
mit der anmut
der bewussten
heimkehr

kein anstrengen
und keine not
liegen im antlitz
des sich gewahr
werdens

berge deine kraft
und bewahre sie
mit der weisheit
der eingeweihten
natur

wache unermüdlich
und weiche nicht
mit deiner macht
aus dem achtsam
sein

finde in allem
und jedem
nichts als den
widerschein
ursprünglicher
energie

 

 

6.11 Mein unversehrtes Schwert

als die plage
in mein zelt kam
und alles
in aufruhr geriet
schenkte mir
die mondene kraft
mein unversehrtes schwert

so schritt ich weiter
meines weges
linkerhand die blüte
und rechts die klinge
mich tags in der sonne
wärmend für die
düstere kälte der nacht
in der heimliche schätze
darauf warteten von mir
beim namen gerufen
zu werden

als die plage
in mein zelt kam
und alles
schwarz wurde
fand ich zitternd
die yangende kraft
meiner zweiten geburt

 

 

6.12 Neues Leben

Sich im Leblosen
unverletzt zu spiegeln
zeigt ein neues Leben an

Es ist der Aufbruch
der einst Ohnmächtigen
ins gelobte Land

Wenn das verloren Geglaubte
seine Auferstehung feiert
folgt das Leblose hinterher

Und es kommt der Tag
an dem sich das Leblose
in deiner Lebendigkeit neu erkennt

 

 

6.13 Dialogische Haltung

Ich liebe meine Wahrnehmung
und deine Wahrnehmung
Ich liebe das Einverständnis
und den Widerspruch
Ich liebe die Bestätigung
und die Reibung
Ich liebe die Vielfalt
außerhalb der Einfaltung
Ich liebe die Einheit
des nicht gleich Seienden
Ich liebe das Unverstandene
wie das zu Empfangende
Ich liebe das Erfahrbare
des sonst Unsagbaren

 

 

6.14 Bedingungslos lieben

bedingungslos lieben
heißt nicht
sich selbst aufgeben
sondern
bedingungslos annehmen
und
aus innerem frieden heraus
handeln

 

 

6.15 Mein Höchstes leben

nie zuvor war ich
so klar und fest
so weich und mitfühlend
so sehr bereit
all das zu sein
was ich immer schon war
aber mich aus ängstlicher verwirrung
nicht vollends zu manifestieren getraut hatte

jetzt erfüllt sich mein höchstes
in der tiefe zurückeroberten
urvertrauens

danke

 

 

6.16 Stilles Gedenken

unvergessen unsere schmerzen
was einst zerissen längst geheilt
sanft schwimmen die herzen
in einer liebe der neuen zeit

wenig zu sagen in heiliger stille
würdigen was wurde und wird
gemeinsam ergebener wille
wissen um den kosmischen flirt

klöster und städte verschmelzen
künste ereilen berufe schon lang
ordnungen die um sich wälzen
segnen das ende und neuanfang